Janine Berg-Peer/ Januar 12, 2018/ Alle Artikel, Angehörige, Termine/ 0Kommentare

Chinesisches Fest Chiangmai

Ein gutes Jahr 2018 für alle Angehörigen!

Allen Angehörigen und ihren Familien wünsche ich alles Gute und vor allem viel Gesundheit für das Jahr 2018. Für mich war auch 2017 wieder ein interessantes und arbeitsreiches Jahr, in dem ich mit vielen Angehörigen über meine Bücher und überhaupt über die Situation von uns Angehörigen und ihren erkrankten Familienmitgliedern diskutieren konnte.

Es begann mit einer wunderbaren Reise mit meiner Tochter nach Thailand. Dort haben wir das wunderbare Wetter, das Schwimmen und das großartige Essen geniessen können. IN Bangkok und Chang Mai haben wir uns durch Tempel treiben lassen und das quirlige Leben in den Night Bazars miterlebt. Für mich war es vor allem schön und immer wieder erstaunlich, dass nach langen Jahren der Krisen so eine Reise mit meiner Tochter möglich war. Das ist ein Geschenk. Weniger schön war, dass ich immer schlechter gehen konnte, was, wie ich jetzt weiß, durch Sprunggelenksprobleme kam. Daher genoss ich die Sonderbehandlung an allen Flughäfen, in denen ich an langen Schlangen wartender Fluggäste vorbei in einem bequemen Rollstuhl bis ins Flugzug gerollt wurde. Man muss aus allem das Beste machen!

Ein gutes Jahr 2018 für alle Angehörigen!

Schön war es, dass ich wieder an viele Orte eingeladen, dort freundlich umsorgt wurde und dort aus meinen Büchern vorlesen konnte oder auch einen Vortrag halten. Und hinterher konnten wir uns immer ausführlich austauschen. Ich bin immer wieder erschüttert von dem, was viele Angehörige erzählen müssen, und wie sie sich bemühen, ihren kranken Angehörigen zu helfen. Ich freue mich aber auch immer wieder darüber, dass auch berichtet wird, dass nach langen Phasen von Erkrankungen, Therapieabbruch und Angst der Eltern wieder gute Phasen kommen, in denen die Betroffenen wieder lernen können oder arbeiten oder auch für sich eine Lebensform gefunden haben, die ihnen Schutz und Freiheit gleichzeitig bietet.

Beim diesjährigen Weltkongress der Psychiatrie in im Oktober in Berlin wurde ich eingeladen zu vier Veranstaltungen: Zusammen mit der Präsidentin von EUFAMI habe ich über die Herausforderungen und Chancen  für Angehörige gesprochen. Ich habe die Moderation übernommen in einem Symposion zum Thema Arbeit für psychisch Erkrankte, indem wir wunderbare Referentinnen aus Salzburg und Berlin über Projekte zur Integration in den Arbeitsmarkt eingeladen hatten. Und ich freue mich besonders, dass zwei Betroffene in sehr persönlicher und interessanter Art und Weise über ihre Erfolge und Schwierigkeiten bei der Rückkehr in den ersten Arbeitsmarkt berichteten. in einem weiteren Workshop habe ich aus der Perspektive der Angehörigen darüber berichtet, wie Betroffene häufig entmutigt werden, ihren Weg zurück in ein normales Leben auch mit Arbeit zu gehen und was ich mir vorstellen kann, wie wir Angehörigen aber auch die Profis und die Betroffenen statt zu entmutigen ermutigen können.

Ein gutes Jahr 2018 für alle Angehörigen!

In einem letzten Workshop ging es um den Abbau von Stigmatisierung von psychisch Kranken. Wieder war es meine Aufgabe dieses Thema aus der Sicht der Angehörigen zu beleuchten. Was Stigmatisierung betrifft, sind wir  Angehörigen “ Experten aus Erfahrung“. Ich habe diesmal nicht über die Stigmatisierung von psychisch Erkrankten gesprochen, sondern darüber, wie wir Angehörigen häufig vom ersten Tag der Diagnose an mit impliziten und manchmal expliziten Stigmatisierungen konfrontiert werden. Ich halte das für ein besonders wichtiges Thema: zum einen werden wir von Profis damit konfrontiert, dass auch wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass die Einbeziehung von Angehörigen und vor allem unsere Betreuungsleistungen ganz wesentlich die Recovery der Erkrankten unterstützen. Gleichzeitig aber bekommen wir immer wieder zu spüren, dass Profis, die Betroffenen selbst, die Umwelt und hier besonders Eltern mit gesunden Kindern uns für die Erkrankung unserer Kinder verantwortlich machen. Das ist nicht immer einfach. Alle  Vorträge werde ich aber in einem nächsten Post in meinem Blog einstellen.

Ein gutes Jahr 2018 für alle Angehörigen!

Nicht so schön war es, dass ich mich dieses Jahr auch unters Messer begeben musste. Alles gut gelungen, aber Krankenhaus ist eindeutig langweilig und vor allem ist das Essen scheusslich.  Das trifft für neurochirurgische Stationen offensichtlich ebenso zu wie für psychiatrische Stationen. Es wundert mich immer, dass sich da die Betroffenen nicht mehr zur Wehr setzen. Und dann hat mich noch mein Kätzchen gebissen, als ich es aus m Türrahmen befreien musste, in das es sich auf der Terrasse eingeklemmt hatte. Wusste gar nicht, wie gefährlich Katzenbisse sein können. Als ich dem Arzt in der Notaufnahme sagte, dass ich keinen Gips haben wollte, meint er nur „Gut, wenn sie ihre Hand nicht brauchen, dann arten Sie eben, bis sie amputiert werden muss.“ Na, dann hab eich mich schweren Herzens gefügt.

 

Ein gutes Jahr 2018 für alle Angehörigen!

Jetzt hat es wieder angefangen mit Einladungen zu Lesungen und Vorträgen. Ich werde die Termine auf diesem Blog und auf Facebook einstellen. Bislang bin ich eingeladen in Berlin, Gütersloh, Wahlheide, Wolfsburg, Wiesloch und in Bern auf dem Recovery-Kongress werden meine Tochter und ich zusammen einen Vortrag halten.

Natürlich schreibe ich auch an einem neuen Buch! Dann werde ich im neuen Jahr mit Webwaren auf der Plattform www.edudip.com anzufangen. Keine Sorge, wer sich mit Webinaren (Seminaren im Internet) nicht auskennt, bekommt von mir eine absolut einfache Erklärung. Es ist kein Hexenwerk. Jeder, der einen Rechner hat und ins Internet gehen kann, kann so einem Webinar folgen. Das ist auch deshalb so günstig, weil niemand warten muss, bis ich irgendwo einen Vortrag halte oder Zeit für einen Beratung habe. Einfach abwarten, die Infos kommen in den nächsten Wochen.

Ich wünsche allen Angehörigen, dass sie mit ihren Kindern ein ruhiges Weihnachtsfest feiern konnten und dass sie mit möglichst viel Gelassenheit und Hoffnung in das neue Jahr gehen.

Bis bald und alles Gute!

Über Janine Berg-Peer

Seit 55 Jahren bin ich Angehörige: Meine Mutter litt an einer bipolaren Erkrankung und meine Tochter erkrankte vor 18 Jahren an Schizophrenie, heute sprechen die Ärzte von einer schizo-affektiven Erkrankung. Beide hatten und haben mehr gute Zeiten als schlechte, selten sind Menschen mit Krisengefährdung immer krank. Ich möchte Angehörige unterstützen, ihnen aus meinen Erfahrungen berichten und sie beraten. Ich freue mich trotz allem immer noch am Leben, lese viel und schreibe an meinem nächsten Buch, zusammen mit meiner Tochter! Ich liebe Bücher, Kartäuserkater, Rosen, Opern und Countertenöre, Filme, vor allem koreanische, japanische und chinesische, kann nicht Fahrradfahren. Ich wäre gern Léa Linster.

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