Henriette Peer, 39 Jahre

Peer-Beraterin EX-IN

Ambulante Betreuerin Freunde Integrative Dienste gGmbH -FID in Berlin-Spandau

Vor 22 Jahren bekam ich die Diagnose Schizophrenie, eine Diagnose, die sich in den Jahren immer wieder verändert hat. Das ist etwas, was viele Betroffene erleben. Heute sind wir uns einig, dass ich eine schizo-affektive oder bipolare Erkrankung habe. Aber was heisst, ich habe diese Krankheit? Ich war vor 6 Jahren zum letzten Mal im Krankenhaus, ich fühle mich gut und arbeitsfähig, ich weiß, worauf ich achten muss, was mir gut tut und was mir schadet. Ich halte mich nicht für krank, sondern ich denke ich habe eine Art Grunderkrankung, die immer mal wieder ausbrechen kann, wenn mit im Leben vielleicht etwas zu viel wird. Aber wenn ich das weiß, kann ich gut damit leben.

Ich habe zunächst die EX-In Weiterbildung bei Gudrun Tönnes in Münster gemacht, was eine wirklich gute Erfahrung für mich war. Gleich danach habe ich ein Praktikum beim FID machen können, wurde dann befristet eingestellt und habe heute dort eine feste Stelle. Für mich bedeutet das sehr viel, nach den vielen Jahren, in denen ich an mir, an der Krankheit und an der Psychiatrie verzweifelte. Heute weiß ich, dass es vor allem darauf ankommt, dass wir nicht anderen Menschen und dem Schicksal eine Schuldzuschiebend, sondern dass wir uns mit unserer Situation auseinandersetzen und diese akzeptieren. Ich glaube, erst dann kann man wieder neue Ziele im Leben entwickeln und beginnen, diese zu verfolgen.

Die Arbeit mit meinen Klienten macht mir sehr viel Spaß, ich weiß, wie viel so eine ambulante Betreuung wert ist, auch mir hatte sie damals geholfen. Ich möchte die Klienten nicht heilen, ihnen keinen Weg vorgeben und sie auch nicht drängen, in einen Recoveryprozess einzutreten. Sie geben vor, was ihnen wichtig ist, sie sagen mir, wo sie Hilfe brauchen und wo sie diese nicht wünschen. Ich kann nicht alle Wünsch erfüllen, aber ich kann mich dafür einsetzen, dass sie ihren selbst gesteckten Zielen näher kommen. Ich freue mich über jeden Schritt mit Ihnen, vor allem, wenn ich sehe, dass ihr Lebensmut zurückkommt und sie wieder Freude im Leben haben.

Meine Erfahrungen möchte ich auch anderen Betroffenen und vor allem auch Angehörigen weitergeben. Meine Mutter und ich haben uns nach vielen schwierigen Jahren zu einem Recovery-Team entwickelt, was heisst, dass ich gelernt haben, mit meiner Krankheit umzugehen und die Situation meiner Mutter besser zu verstehen. Sie hat gelernt, besser mit ihren Ängsten und Sorgen umzugehen und nicht auf alles, was ich tue oder nicht tue mit Aufgeregtheit zur reagieren. Es hat geholfen, dass wir uns immer wieder über diese schwierigen Situationen unterhalte haben und dadurch beide gelernt haben, die Perspektive der jeweils anderen besser zu verstehen.

Und das möchte ich weitergeben: Wir halten zusammen oder auch getrennt Vorträge, wir beantworten Fragen, nehmen teil an Konferenzen, Workshops und Tagungen. Wenn Sie einmal eine kurze Diskussion zum Thema mit einer Betroffenen wünschen, dann melden Sie sich. Wenn Sie beraten werden wollen, dann können wir das am Telefon oder auch per Email machen. Schreiben Sie zunächst eine Email an mich, ich antworte Ihnen so schnell es geht.