Janine Berg-Peer/ März 9, 2016/ Alle Artikel/ 0Kommentare

courgette-aubergine-850Sevilla mit Tochter

Selten habe ich mich so auf eine Reise gefreut. Zum einen war ich lange nicht mehr im Urlaub und zum anderen war ich – bin ich immer noch ein bisschen – ziemlich erschöpft von den vielen Lesungen und Vorträgen, den neuen Bücher und den vielen Artikeln. Ja, ich weiß, selbst schuld, niemand zwingt Dich zu, Janine, aber es ist nicht ganz einfach zu beherzigen, was mir meine pragmatische Therapeutin sagte: „Frau Berg-Peer, Ihr Kopf ist einfach jünger als Ihr Körper!“ Danke, das habe ich gebraucht. Aber sie hat leider Recht. Aber die größte Freude ist es, zusammen mit meiner Tochter reisen zu können, etwas, das ich mir lange Jahre überhaupt nicht vorstellen konnte. Aber auch eine Mutter-Tochter-Reise birgt Schwierigkeiten, die allerdings mit Krankheit gar nichts  zu tun haben. Gottseidank oder leider alles ganz normal.

 

Sevilla mit Tochter

Es beginnt mit der Reise – wohin wollen wir fahren? Nachdem alle Kontinente abgeklappert wurden, haben wir uns für Südspanien entschieden – meine Tochter liebt Städtereisen und ich liebe Sevilla. Und auf Cordoba bin ich neugierig. Und für Mauritius hatten wir nicht genug Zeit. Kommt alles noch. Aber dann das Kofferpacken: Sie muss selbstverständlich für 20 Tage 20 T-Shirts plus mehrere Hosen mitnehmen, ich verweise auf die Vorschriften von Airberlin und die Möglichkeit, in unseren Appartements zu waschen. Und in Spanien sollte es ja auch Reinigungen geben. Nach heftigen Kämpfen habe ich dann noch unbeachtet kurz vor der Reise 4 T-Shirts und zwei paar Turnschuhe aus dem Koffer gezogen, damit das Gewicht stimmt. Zumal ja schon mein Koffer so schwer ist, weil IPad, Macbook und sämtliche Ladegeräte und der Fotoapparat auch mitmüssen. Endlich sind wir am Flughafen und atmen tief durch.

5 Stunden später Ankunft in Malaga – alle Flüge nach Sevilla direkt dauerten fast 10 Stunden. Dort im Hotel eingecheckt – also weder über das Hotel noch über Malaga muss man viel sagen – das nächste Mal einfach nach Malaga fliegen und dann in den Renfe steigen – dauert genau 1,5 Stunden nach Sevilla und ist äußerst bequem. Aber das Picasso-Museum in Malaga war schön – wir durften zwar keine Kunstwerke fotografieren, aber ein bisschen andere Sachen, um einen Eindruck vom Museum zu bekommen. Der erste Reinfall: Ein süßes Café in einer Gasse nahe des Museums: Das Essen war so widerlich, dass sogar wir alle stehengelassen haben, das will bei uns beiden etwas heißen.

Na, wieder etwas gelernt, ansonsten haben wir selbst in Malaga herrlich gegessen. Zum Frühstück schwarzen Kaffee mit Toast und Olivenöl, abends frischen Fisch und Hühnchen a la plancha – und, ganz super, am letzten Morgen einen kleinen tintenschwarzen Kaffee mit Churro dazu. Um uns herum in einer winzigen Gasse unzählige laut brüllende Männer und Frauen, vor denen Berge von Churros stehen. Ich glaube aber, dass die sich nur südländisch temperamentvoll vergnügt unterhalten haben. Ein Stunde später kommen wir dort wieder vorbei – nichts mehr zu sehen- keine Tische, keine Stühle, keine Kellner. Vielleicht geht man dort nur von 08:00 bis 11:00 hin?

Ganz herrlich ist der zentrale Markt in Malaga – und das noch genau gegenüber von unserem Hotel. Das durften wir uns nicht entgehen lassen. Unglaublich schönes Gemüse, herrliche Fische und anderes Seafood, Fleisch, Schinken, Würste, Oliven, Seife und brüllende Markthändler. Danach haben wir noch wunderbare frittierte Calamari und gebratenes Fisch-Allerlei gegessen. Ein schöner Tag in  der Sonne.

Sevilla mit Tochter

Nach einer bequemen Zugfahrt Ankunft in Sevilla. Unser Apartment in Sevilla liegt in Arena, dem totalen Ausgehviertel. Kneipe an Kneipe und klitzekleine Alimentationes – Geschäfte, in denen man neben Lebensmitteln, Radiergummis, Schrauben, Batterien  und Putzmitteln alles bekommt und die natürlich von Thais geführt werden. Richtig spanisch. Aber das Apartment ist super, mit einer schönen Dachterrasse, in der wir über allen Dächern in der Sonne mit unseren Handys spielen können. -:). Am ersten Tag ein kleiner Rundgang durch die verwinkelten Gassen, wir landen auf der Plaza Nueva und finden den Weg nicht wieder nachhause. Aber der Spanier als solcher ist freundlich, vor allem, wenn Henriette ihr nettestes Lächeln aufsetzt. Wir stehen eine Viertelstunde mit 5 jungen Männern auf der Plaza Nueva und starren alle auf unsere Handys, weil wir hoffen, dass uns dort über Routenplaner oder google maps oder sonstwie der Weg gezeigt wird. Wird er nicht. Heftige Diskussionen unter den Spaniern. Gestenreich zeigen alle in eine andere Richtung. Wir bedanken uns artig und gehen davon. Als wir uns umdrehen, stehen die jungen Männer immer noch da und starren auf ihre Handys und versuchen sich gegenseitig mit Handbewegungen zu zeigen, wo die Calle de Arfe nun wirklich liegt. Tatsächlich liegt sie woanders, aber wirklich ganz nah an der Plaza Nueva, wir haben es dann auch ohne Handys gefunden. Ein elegante Dame mit Ehemann und süßen schwarzbezopften Mädchen hat uns geholfen und ging sogar bis zu unserer Hausnummer mit uns, damit wir nur nicht vom Weg abkommen. Wir haben erlebt, wie man in einer anderen Kultur freundlich geholfen bekommt.

Sevilla mit Tochter

Gestern dann Regen und fieses Wetter, gemein. Aber ich habe es zum Ausschlafen genutzt und Henriette hat mir  Clipfish gezeigt. Toll, was es so alles gibt. Abends dann die erste Wanderung durch die Strassen, an der Kathedrale vorbei und vielen, vielen Menschen, die wohl die Zeit zwischen 18 und 20:00 nutzen, um die Familie spazieren zu führen. Sitzen da in Deutschland nicht alle vor der Vorabendserie?

Heute morgen musste ich die schlechte Laune der Tochter ertragen, weil es in unserem eleganten Apartment nicht genug heisses Wasser gibt, was natürlich ärgerlich ist, wenn man gerade eingeseift und die Haare voller Schaum in der Badewanne steht. Aber auch die Hürde haben wir genommen. Jetzt geht es aber auf Sevilla-Erkundung. Ich freue mich schon,

Bis bald. Wir berichten.

 

Über Janine Berg-Peer

Seit 55 Jahren bin ich Angehörige: Meine Mutter litt an einer bipolaren Erkrankung und meine Tochter erkrankte vor 18 Jahren an Schizophrenie, heute sprechen die Ärzte von einer schizo-affektiven Erkrankung. Beide hatten und haben mehr gute Zeiten als schlechte, selten sind Menschen mit Krisengefährdung immer krank. Ich möchte Angehörige unterstützen, ihnen aus meinen Erfahrungen berichten und sie beraten. Ich freue mich trotz allem immer noch am Leben, lese viel und schreibe an meinem nächsten Buch, zusammen mit meiner Tochter! Ich liebe Bücher, Kartäuserkater, Rosen, Opern und Countertenöre, Filme, vor allem koreanische, japanische und chinesische, kann nicht Fahrradfahren. Ich wäre gern Léa Linster.

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