Janine Berg-Peer/ Oktober 5, 2014/ Alle Artikel, Angehörige, Termine/ 0Kommentare

Saure Zitrone

Saure Zitrone

Einbeziehung von Angehörigen – ein frommer Wunsch!

Am 24./25.9.2014 fand in Berlin eine Tagung zum Thema „Qualität therapeutischer Beziehung“ statt, die von der Aktion psychisch Kranke – APK organisiert wurde. Es war alles da, was Rang und Namen hatte, wichtige Themen wie „Therapie ohne Zwang“, „Kontinuität in der Beziehung“ etc. standen auf dem Programm. Die alten Recken der Sozialpsychiatrie wie Klaus Dörner kamen zu Wort und erwähnten, so wurde mir berichtete, auch die Bedeutung der Einbeziehung von Angehörigen in die Therapie. Und das war´s dann. Die Veranstaltung war interessant, die Stimmung war gut, man kannte sich, man kannte auch alle Themen und freute sich, sich mal wieder zu treffen. So weit, so gut, aber nichts Neues. Und jetzt kommt das Peinliche: Pflichtbewusst hatten sich die Organisatoren in letzter Sekunde noch daran erinnert, dass auch Angehörige zu Wort kommen sollten, das ist heute politisch korrekt. Ich hätte gleich misstrauisch sein sollen, als ich gefragt wurde, ob ich etwas zu diesem enorm wichtigen Thema sagen könne. Das Programm war bereits gedruckt, das Thema war in einer Arbeitsgruppe untergebracht, aber es gab noch keinen Namen.

Einbeziehung von Angehörigen – ein frommer Wunsch!

Also sagte ich zu – Eitelkeit, dass ich gefragt wurde? Pflichtbewusstsein für die Sache der Angehörigen? Ein Gefallen für den Bundesverband? Hinterher ist man immer klüger. Unter die viele Symposien zu interessanten Themen von renommierten Fachleuten hatte man ein kleines teller-160-120Symposium gemischt, in dem alles zusammengekehrt worden war, was sonst irgendwie nicht passte. Unter anderem die Einbeziehung von Angehörigen. Und wie erwartet, war auch die Resonanz. Ein Psychiater als tapferer Moderator, der auch nicht so recht wusste,  warum er da sass, und wir drei Referentinnen: Frau Schöck von der Bürgerhilfe in Stuttgart (ein wirklich schönes Programm, aber bitte wen soll das bei so einer Tagung interessieren?) Ich musste das Thema „Einbeziehung von Angehörigen“ bearbeiten, was natürlich bei so einer Tagung einfach niemanden interessiert. Und Frau Schicketanz als Ex-Inlerin musste das spannende Thema „Persönliches Budget“ vortragen. Um das gleich zu sagen: Frau Schöck war furchtbar nett und das Projekt ist super. Frau Schicketanz schaffte es, dieses sperrige Thema anschaulich und gut strukturiert darzustellen, ohne dass man einschlief. Ich habe sogar etwas daraus gelernt und meine Tochter wird sich gern dazu von ihr beraten lassen.

Einbeziehung von Angehörigen – ein frommer Wunsch!

Ich war natürlich auch super -:), habe aber den frommen Wunsch des Moderators nicht so ganz erfüllt, weil ich eher meiner Skepsis Ausdruck espresso-160-120gegeben habe als fromme Wünsche auszusprechen. Aber das war auch alles völlig egal, weil uns ohnehin fast niemand zugehört hat. Es waren zu den 4 Menschen auf dem Podium genau 5 Zuhörer/innen da (einer davon schlief immer wieder ein, was ich gut verstehen konnte). Die anschließende Diskussion war natürlich auch total spannend -:) und so haben wir irgendwann mit freundlichem Abschied diese traurige Veranstaltung verlassen. Mir geht es nicht darum, dass ich ein größeres Publikum gebraucht hätte. Ich denke, dass es etwas aussagt, dass unsere Themen so „zusammengekehrt“ wurden. Gerade das Thema der Einbeziehung hätte in jeden anderen Vortrag gehört: Jeder Psychiater oder Therapeut hätte kurz etwas dazu sagen können, wie er bei seinem Ansatz die Angehörigen einbezieht. Er hätte auch gern über die damit verbundenen Probleme berichten können. Vorausgesetzt natürlich, er bezieht Angehörige mit ein. Aber so etwas war nur peinlich.

Aber die Würstchen mit Kartoffelsalat im Logenhaus Berlin schmeckten gut. Man muss ja auch mal etwas Positives sagen.

Aber egal, ich hab etwas dazu geschrieben und meinen Vortrag hänge ich jetzt an. Eine große Bitte: Wer gute Erfahrungen mit Einbeziehung in die Therapie gemacht hat, sollte mir das schreiben (auch anonym, wenn gewünscht). Es wäre schön, wenn meine Skepsis überholt wäre.

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Über Janine Berg-Peer

Seit 55 Jahren bin ich Angehörige: Meine Mutter litt an einer bipolaren Erkrankung und meine Tochter erkrankte vor 18 Jahren an Schizophrenie, heute sprechen die Ärzte von einer schizo-affektiven Erkrankung. Beide hatten und haben mehr gute Zeiten als schlechte, selten sind Menschen mit Krisengefährdung immer krank. Ich möchte Angehörige unterstützen, ihnen aus meinen Erfahrungen berichten und sie beraten. Ich freue mich trotz allem immer noch am Leben, lese viel und schreibe an meinem nächsten Buch, zusammen mit meiner Tochter! Ich liebe Bücher, Kartäuserkater, Rosen, Opern und Countertenöre, Filme, vor allem koreanische, japanische und chinesische, kann nicht Fahrradfahren. Ich wäre gern Léa Linster.

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